RSC Tretlager Ruhr

RSC-Mountainbiker auf Tour im Westerwald

Was ursprünglich als Trainingslager/Wochenendfreizeit für Kinder und Jugendliche des Radsportclubs RSC Tretlager gedacht war und den Gefahren der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen war, wurde von vier erwachsenen Mountainbike-Sportlern durchgeführt: Ein Wochenendausflug vom 2.10. bis zum 4.10.2020 in den Westerwald in das Selbstversorgerhaus „Wetzlarer Hütte“, die mit Wetzlar vor allem dadurch etwas zu tun hatte, dass dort, rund 50 Kilometer entfernt, der Hüttenschlüssel abgeholt werden musste. Schon bald wurde den Radsportlern klar, dass der Begriff „Selbstversorgerhaus“ offensichtlich ein großes Interpretationsspektrum beinhaltet. So begann der erste Abend mit der Erkenntnis, dass die vorbereiteten Speisen nicht weiter zubereitet werden konnten, da der Gasherd eher als fragiles Fragment zu betrachten war. Das war jedoch nicht weiter tragisch, da die Gasflaschen, die für Herd,  Heizung und Warnwasser bereitstanden, völlig entleert waren – vielleicht über den Gasherd? Glückliche Fügung war, dass einer der Mitreisenden neben vielen Qualifikationen die einer Kochausbildung mitbrachte und er dadurch das Problem der Essens- und Kaffeezubereitung mit Hilfe eines Schwenkgrills phantasievoll lösen konnte.

Ebenfalls lösbar für die Gruppe war die Tatsache, dass es kein fließend Wasser gab, bzw. das Wasser sich dauerfließend durch eine Toilette verabschiedete, welche somit per Absperrventil abgesperrt werden musste, wohingegen die andere vorhandene Toilette nicht an die Wasserversorgung angeschlossen schien und der Verwendung einer Gießkanne bedurfte. Aber auch hier ist der Begriff „Wasserversorgung“ zu relativieren, bestand diese doch aus einem 200-Liter-Speicherfass, das zuvor und immer wieder zwischendurch mit Hilfe einer sogenannten Schwengelpumpe mit Brunnenwasser gefüllt werden musste. Dieses Brunnenwasser wirkte farblich interessant und war mit einer  originellen, vielleicht etwas zu herben Duftnote versehen, was die Duschvorgänge bei einstelligen Außen- und Wassertemperaturen zeitlich etwas schrumpfen ließ. Vor allem die Bedienung der Wasserpumpe mittels eines Schwengels – man denke hier grob an das Bedienprinzip eines einarmigen Banditen – trug zu vorgerückter abendlicher Stunde zu vergnüglichen Assoziationen bei.

Alles war jedoch ausgeblendet, als es am ersten Abend noch kurz, an den beiden Folgetagen umso ausgiebiger mit den Mountainbikes in die leider erkennbar nicht immer gesunden Wälder ging: Herrliche Wege, knackige Anstiege und gut fahrbare Abfahrten wechselten sich in der herrlichen Umgebung des Westerwaldes stakkatoartig ab, so dass Sonntag Nachmittag  150 Kilometer und 3000 Höhenmeter aufgezeichnet waren. Alles teilweise in strömendem Regen und bei den kalt über die Höhen des Westerwaldes pfeifenden Winden, die schon das nicht unumstrittene Westerwaldlied besingt. Man stelle sich vor, bei Nieselregen in einstelligen Temperaturbereichen von Wetter über das Schnodderbachtal auf den höchsten Zug des Harkortberges zu strampeln und jeweils über Herdecke und zurück entlang des Harkortsees Richtung Wetter diese Runde 30 Mal zu wiederholen. Der aus völliger Verschmutzung, kräftiger Verausgabung und den beschriebenen Duschmöglichkeiten resultierende Konjunktiv wird von Radsportlern gern auch mit „hätte, hätte, Fahrradkette“ umschrieben…

Mit Kindern hätte die Tour sicher abgebrochen werden müssen, aber wenn sich Männern schon einmal die Gelegenheit bietet, zum Helden zu reifen, wer lässt diese dann verstreichen? Allerdings: Nach statistisch nicht validen Aussagen Einzelner differiert die Einschätzung der Partnerinnen ein wenig von der Selbstwahrnehmung der Männer.

Für die Teilnehmer war es nicht zuletzt gerade wegen der widrigen Umstände ein tolles Erlebnis, das in Erinnerung bleiben und sicher noch lange Zeit für Gesprächsanlässe sorgen wird. Nicht nur wegen des Schwengels.

Das Foto zeigt Thomas Senega, Kai Wippermann, Gerhard Billig und Daniel Heinz an der höchsten Erhebung ihrer Tour.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Gerhard Billig

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